Von Socken, Smoothies und (nicht immer nur) smarter Technik


Von Socken, Smoothies und (nicht immer nur) smarter Technik

Gepostet Von am 15.05.2017 in Digitalnotizen, Newsticker

Montag ist Kolumnentag. An dieser Stelle gibt es im contentIQ-Blog nicht jeden Montag, aber immer montags laut gedachte Gedanken rund um Web, IT, eCommerce oder digitale Bildung. #digitalnotizen
Müssen wir alles produzieren, was man produzieren kann?

Kennt ihr das? Ihr wollt euch gesund ernähren, habt aber einfach nicht die Zeit, Obst und Gemüse frisch einzukaufen, zu schnippeln und in ein ess- oder trinkbares Format zu verwandeln? Dann braucht ihr wahrscheinlich einen Juicero. Der macht das alles für euch. Ihr braucht nur noch auf den Knopf drücken. Ehrlich. Und per WLAN lässt er sich auch noch steuern. Perfekt, oder?

Technik ist schon was Tolles. Sie nimmt uns das Rechnen ab, trägt schwere Lasten für uns, übernimmt gefährliche Jobs an unzugänglichen oder unwirtlichen Orten, erinnert uns an unsere wichtigen Termine und sorgt für Unterhaltung, wo wir stehen und gehen. Ganz schön bequem. Wir kommen ohne großartigen eigenen Muskel- und Zeiteinsatz nicht nur von Zuhause ins Büro, sondern auch von Berlin nach Hamburg oder sogar nach New York oder Sydney. Wir lassen unsere Wäsche von Maschinen waschen und sogar trocknen (nur dumm, dass wir sie selber noch in den Schrank sortieren müssen), brauchen nicht mehr selber staubsaugen und ein kurzer Druck auf den Mikrowellenknopf reicht für ein ganzes Menü. Wir kommunizieren weltweit in Sekundenschnelle, filmen und knipsen unser halbes Leben und wenn wir ein Foto tatsächlich mal an die Wand hängen möchten, drucken wir es einfach selber aus. Unser Kaffee kommt aus Kapseln, der Strom aus dem mobilen Akku und das Obst (fertig gequetscht) aus dem Plastikbeutel.

Technik auf dem schmalen Grat zwischen hilfreich und überflüssig. #digitalnotizen Klick um zu Tweeten

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber irgendwo in dieser Aufzählung sind wir für meinen Geschmack von hilfreich zu überflüssig gewandert. Und mir scheint, diese unnötigen Erfindungen werden immer mehr. Der Guardian hat zuletzt eine wunderbare Auflistung der fünf nutzlosesten technischen Lösungen für nicht bestehende Probleme gebracht, darunter findet sich auch der oben beschriebene Juicero. Der – man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen – nichts anderes tut, als in Plastikbeutel gefüllte Obst- und Gemüseschnipsel auszuquetschen. Das Gerät kostet $ 399 – die portionsweise in Plastik verpackten „Smoothies-to-be“ jeweils zwischen $ 5 und $ 8 US-Dollar. Glaubt ihr nicht? Schaut’s euch ruhig selber an.

Smoothie

Ist das noch sinnvoll, wenn’s den Smoothie auf Knopfdruck aus dem Plastikbeutel gibt? | Foto: Unsplash

Sprechen eure Socken auch mit euch? Oder mit eurem Smartphone? #digitalnotizen Klick um zu Tweeten

Wer was als unnötig empfindet, ist offenbar Geschmackssache. Sonst würden Nespresso-Maschinen sich nicht so gut verkaufen und es gäbe auch keine Smart Homes, die morgens automatisch die Rollos hochziehen und die Kaffeemaschine anwerfen. Aber es gibt schon Erfindungen, die einen wirklich nur noch kopfschüttelnd hinterlassen. Oder findet irgendeine/r von euch es wichtig, dass eure Socken mit eurem iPhone kommunizieren und euch sagen, wie oft sie schon gewaschen worden sind? Oder dass euer Flaschenöffner automatisch eure Freunde benachrichtigt, wenn ihr eine Flasche Bier aufmacht? Ich fürchte, der iPotty, der ein Kindertöpfchen mit einer Tablet-Halterung verknüpft, fällt schon wieder nicht in die Kategorie der Produkte, bei denen man allgemeines Kopfschütteln erwarten kann – obwohl die Kundenbewertungen bei amazon durchaus Hoffnung machen.

Weil es geht. Reicht das als Begründung für mehr Bequemlichkeit? #digitalnotizen Klick um zu Tweeten

Dinge machen, einfach nur, weil man sie machen kann? Kann ein Grund sein, muss es aber nicht. Und es mag ja sein, dass es bequem ist, sich möglichst viel von der Technik abnehmen zu lassen. Aber vielleicht sollten wir ab und zu mal innehalten und überlegen, ob wir uns mit dieser Bequemlichkeit nicht irgendwann selbst den Boden unter den Füßen wegziehen. Weil wir immer mehr Ressourcen verbrauchen, um Müll zu produzieren. Weil wir uns die elementarsten (Über-)Lebenstechniken abtrainieren. Weil wir einfach nicht mehr wissen, wann es genug ist. Und weil einfach manchmal einfach besser ist.

Noch mehr unnötige Gadgets? Findet ihr zum Beispiel hier.

KF/ciq

Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner

Versorgt digitale Unternehmen mit grenzenlos guten Inhalten - als Fachautorin, Corporate Bloggerin, Lektorin und Übersetzerin. Bloggt seit 17 Jahren und schreibt heute hauptsächlich über Themen aus Web, IT, eCommerce und digitaler Bildung - gerne auch für Ihr Unternehmen.
Dr. Katja Flinzner

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