Die Welt wird mobil

Abgeschnitten von der Welt? Von wegen. Sogar auf dem Mount Everest gibt's mobiles Internet - in 4G... | Foto: Public Domain Images

Abgeschnitten von der Welt? Von wegen. Sogar auf dem Mount Everest gibt’s mobiles Internet – in 4G… | Foto: Public Domain Images

Jeder Mensch auf der Welt hat ein Handy. Jeder. Zumindest statistisch betrachtet. Das ist eines der Ergebnisse der Studie The Growth of the Global Mobile Internet Economy, die die Boston Consulting Group vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. Von den 7 Milliarden Handys, die weltweit in Benutzung sind, sind mehr als ein Drittel Smartphones. Und das Wachstum ist rasant: Seit 2011 hat sich die Verbreitung des mobilen Internets auf 36 % verdoppelt, 2014 lag das weltweite Wachstum bei geschätzten 18 %. Wachstumstreiber sind aufstrebende Märkte wie China, Indien und Indonesien.

Vielfältige Gründe

Die Gründe für die anhaltende Steigerung sind vielfältig: Massiv fallende Preise, immer ausgefeiltere Funktionalität der Geräte und immer umfangreichere Netzabdeckung mit immer zuverlässigeren und schnelleren Datenverbindungen. Etwa 60 % der Weltbevölkerung haben Zugriff auf 3G-Mobilfunknetze, in der EU sind es sogar 90 %. Und in den USA können 96 % der Bevölkerung sogar bereits auf 4G-Standards zurückgreifen. Das Mobile Internet ist überall – sogar am Mount Everest kann man mit 4G-Geschwindigkeit mobil ins Netz.

Parallel dazu steigt auch der Traffic massiv an. 2013 waren es noch 1,2 Terabyte pro Monat, die über mobile Netzwerke gesendet, gestreamt und heruntergeladen wurden. Bis 2017 geht die aktuelle Studie von einer Versiebenfachung dieser Datenmenge aus.

Doch natürlich gibt es für die mobile Internetnutzung noch viel mehr Möglichkeiten als nur das althergebrachte Smartphone. Tablets machen Surfen und Shoppen auf dem Sofa oder in der S-Bahn deutlich komfortabler, TV-Geräte werden immer häufiger zum Mediencenter, auf dem neben dem Fernsehprogramm auch YouTube-Videos abgespielt oder Streaming-Dienste genutzt werden können. Und zahllose Wearables drängen auf den Markt: ob Smart Watches, Fitness-Armbänder oder Google Glass. Schätzungen gehen davon aus, dass die Anzahl der Geräte mit mobilem Internetzugang – das Internet der Dinge – irgendwann bis zu 30 Milliarden erreichen wird.

Verhaltensänderung

Dass wir das Internet auf Schritt und Tritt „dabei“ haben, es quasi in der Hosentasche mit uns herumtragen, verändert unsere Gewohnheiten. Vor allem junge Menschen nutzen das Internet in erster Linie mobil. Eine Studie von Nielsen kam 2014 zu dem Ergebnis, dass mehr als 85 % der 18- bis 34-jährigen US-Amerikaner ein Smartphone besitzen. Und dass die 18- bis 24-Jährigen durchschnittlich 37 Stunden und 6 Minuten pro Woche an ihrem Smartphone verbringen. Das ist fast eine ganze Arbeitswoche.

Und die aktuelle Entwicklung betrifft auch zahlreiche andere Branchen, zum Beispiel die Armbanduhrenhersteller. Schon 2007 vermeldete der Spiegel das Ende der Armbanduhr. Ganz so weit ist es wohl noch nicht, aber die Umsätze waren schon mal besser. Wer nicht auf Smart Watches umstellt, verliert in vielen Zielgruppen massiv an Bedeutung, denn wer braucht schon eine Armbanduhr, wenn er die Uhrzeit auch auf dem Handy nachschauen kann, das er ja ohnehin immer dabei hat? Der Blick auf die Uhr gehört tatsächlich zu den häufigsten Gründen, warum Smartphone-Besitzer ihr Telefon aus der Tasche ziehen.

Mobile Umsätze

Während die Hauptnutzungsbereiche des mobilen Internets soziale Netzwerke, Kommunikation, Medien und Spiele sind, wird auch der Mobile Commerce immer selbstverständlicher. Umso wichtiger, dass Unternehmen diesen Kanal in ihre Strategie integrieren. Bei Wal-mart passieren bereits 10 % aller mobile getätigten Verkäufe im eigenen Laden. Und in Frankreich nutzt die Supermarktkette Casino NFC-Technologien, um Produktinformationen zur besseren Lesbarkeit direkt aufs Handy zu laden.

Laut BCG-Studie legte der M-Commerce in den USA von 2013 auf 2014 einen Wachstumssprung um satte 60 % hin und erwirtschaftete Umsätze in Höhe vn $115 Mrd. Bis 2017 erwartet die Studie eine weitere Steigerung auf $245 Mrd. Und auch in anderen Ländern nimmt die Bedeutung des Mobile Commerce dramatisch zu. In Brasilien geht man für 2014 von einer Steigerungsrate von 96 % aus – 2017 werden dort im Handel mehr als $5 Mrd. über mobile Geräte umgesetzt. Für Indien erwartet die Studie für 2017 einen mobilen Handelsumsatz von $14 Mrd. – 2013 waren es $6 Mrd. Und in China sollen bis 2017 $160 Mrd. über Mobile Shopping erwirtschaftet werden – mehr als 5-mal so viel wie noch 2013 ($30 Mrd.).

Mehr als nur Shopping

Aber mit Smartphones kann man so viel mehr als nur Einkaufen. Und so lagen die auf mobilen Wegen erwirtschafteten Umsätze in den 13 von der Studie erfassten Ländern (Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Kanada, Südkorea, Spanien, UK und USA) bei insgesamt $700 Mrd. Bis 2017 werden es schätzungsweise $1,55 Billionen sein.

Europa

Auch wenn die beeindruckendsten Zahlen aus Asien oder Südamerika kommen: In Europa ist ebenfalls ein massives Wachstum der mobilen Nutzung festzustellen. Auf die fünf wichtigsten europäischen Märkte (UK, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien) entfallen von den o.g. $700 Mrd. immerhin knapp $105 Mrd. bzw. 92 Mrd. EUR. Wie so oft wird auch hier der Markt von den Briten angeführt: mit 29 Mrd. EUR Umsatz über mobile Kanäle liegen sie vor Deutschland, wo 24 Mrd. EUR im mobilen Internet erwirtschaftet wurden. Bis 2017, so die BCG, werden diese 5 Märkte um 25 % pro Jahr wachsen und einen Umsatz von 227 Mrd. EUR erreichen.

Was heißt das?

Und welche Schlüsse ziehen wir daraus? Sicherlich viele – der wichtigste Aspekt aus Händlersicht ist aber: Wer es bislang noch nicht getan hat, sollte schleunigst mobile Kanäle in seine Strategie integrieren. Dass das deutlich mehr bedeutet als nur responsives Webdesign ist bei viel zu vielen Händlern noch nicht angekommen. Und wenn die zitierte Studie eines zeigt, dann, dass man sich ein Ignorieren dieser Entwicklung nicht mehr leisten kann, wenn man auch morgen noch am Markt bestehen möchte.

KF/msh

Dr. Katja Flinzner
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