Ganz sicher

Während der Rest der Familie noch friedlich schlief, bin ich heute früh aufgestanden und habe mir einen Tee gekocht. Ich habe geduscht und mir die Zähne geputzt – alles mit sauberem Wasser aus dem Wasserhahn. Ich hatte dabei ein ganzes Bad für mich alleine. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich eine friedliche Straße mit Menschen, die mit einem Kaffee in der Hand auf dem Weg zur Arbeit sind. Und ich bin ziemlich sicher, dass ich morgen wieder in genau demselben kuscheligen Bett aufwachen, nach getaner Arbeit Freunde treffen und den Sommer mit meiner Familie genießen werde.

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Alles selbstverständlich? Nicht für die Flüchtlinge, die bei uns nach Sicherheit und Frieden suchen. Sie kommen aus einer Welt, die wir uns in Wirklichkeit gar nicht vorstellen können. Einer Welt, in der Krieg, Hunger und Angst herrschen. In der die Kinder morgens nicht friedlich in ihren eigenen Zimmern schlafen, sondern Hunger leiden und gegen Krankheiten kämpfen – wenn sie nicht schon vor den Augen der Eltern erschossen worden sind. Sie haben diese Welt auf Wegen verlassen, die voller Gefahren, noch mehr Angst und Unsicherheit waren, und leben mit dem Wissen, dass sie zu den wenigen gehören, die diesen Weg überlebt haben. Sie haben ihre Heimat, ihr Hab und Gut und viel zu oft auch ihre Familie verloren. Sie leben in einer fremden Welt, die sie nicht verstehen, und wissen nicht, ob sie jemals wieder in die eigene, vertraute Umgebung zurückkehren können.

Diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf, eine Decke für die Nacht, sie brauchen etwas zu essen und zu trinken. Vor allem aber brauchen sie jemanden, der ihnen diese fremde Welt erklärt, der ihnen Trost spendet und Verständnis entgegenbringt. Sie brauchen eine Chance auf eine bessere Zukunft.

Selbst wenn wir ihnen von dem Überfluss, in dem wir leben, etwas abgeben, haben sie noch immer viel weniger als jeder von uns. Wenn Ihr Euch wünscht, dass sie wieder dorthin zurückkehren, woher sie gekommen sind, wenn Ihr sie als Schmarotzer und Kriminelle beschimpft, wenn Ihr glaubt, dass sie Unterstützung bekommen, die eigentlich Euch zustehen würde – denkt nochmal nach. Nicht ein einziger von Euch würde mit einem einzigen von ihnen tauschen wollen. Ganz sicher.

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Ihr hattet an dieser Stelle einen Artikel zu Online-Handel, Internationalisierung oder Logistik erwartet? Den hätte ich auch eigentlich heute schreiben wollen. Dann ist mir aber was Wichtigeres dazwischen gekommen. Meine Kollegin Susanne Ackstaller hat nämlich in ihrem Mode- und Beautyblog texterella aus wichtigem Grund zu einer Aktion „Blogger gegen Flüchtlingshass“ aufgerufen. Der schließe ich mich nur zu gern an. Denn es ist Zeit, gegen Fremdenhass, Missgunst und Neid und verbale wie reale Angriffe auf Flüchtlinge den Mund aufzumachen. Längst.

KF/msh

Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner

Textnerd, Teilzeit-Techie und Teejunkie. Sitzt an der Schnittstelle von Content und SEO und bringt komplexe digitale Themen in Fachartikeln, Workshops und Online-Kursen auf den Punkt. Bloggt seit 19 Jahren und schreibt heute hauptsächlich über Web, IT, eCommerce und digitale Bildung.
Dr. Katja Flinzner
2 Kommentare
  1. Avatar
    Andre Lotter sagte:

    Guten Morgen Frau Flinzner,
    ein Artikel der mich persönlich anspricht und zum Nachdenken anregt. Danke, dass Sie Ihre Einstellungen mit mir geteilt haben.
    Einen schönen Tag!
    Andre Lotter

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