International SEO

Länder, Sprachen und Strukturen (#internationalSEO – Teil 1)

Produktbeschreibungen übersetzen lassen und Content lokalisieren. Das sind zweifellos wichtige und unabdingbare Elemente einer erfolgreichen Internationalisierungsstrategie. Die Grundlagen für internationalen Erfolg legt ihr aber schon viel früher. Denn zur Entscheidung für eine konkrete Internationalisierungsstrategie gehören auch ganz grundlegende strukturelle und technische Fragen – gerade wenn ihr auch in Sachen Suchmaschinenoptimierung (SEO) gut aufgestellt sein wollt.

SEO ist einer der zentralen Erfolgsfaktoren im Web und ohnehin schon ein ziemlich komplexes Thema. Umso komplexer wird die Frage nach der Optimierung für Suchmaschinen, wenn man nicht nur eine, sondern gleich mehrere Websites in verschiedenen Sprachen und/oder für verschiedene Länder hat. Deshalb widmet contentIQ dem Thema internationale SEO nicht nur einen Beitrag, sondern gleich eine ganze Artikelreihe.

Wer sein Webangebot internationalisieren möchte, sollte das möglichst früh möglichst gut durchdenken. Denn gerade im Blick auf SEO steht und fällt vieles mit der entsprechenden Struktur. Dabei ist eine der entscheidenden zu beantwortenden Fragen die nach der richtigen Adresse.

Im Blick auf #internationalSEO steht und fällt vieles mit der richtigen Struktur. Klick um zu Tweeten

ccTLDs, Subdomains oder Verzeichnisse?

Es gibt sehr unterschiedliche Möglichkeiten, sein Webangebot international aufzustellen. Die erste Entscheidung, die ihr deshalb treffen müsst, ist die zwischen einer gTLD und mehreren ccTLDs.

gTLD = Generic Top Level Domain = Allgemeine, nicht länderspezifische Domainendung (z.B. .com, .org, .net)
ccTLD = Country Code Top Level Domain = Länderspezifische Domainendung (z.B. .de, .fr, .es, .it)

Eine internationale Struktur anhand von mehreren ccTLDs sähe beispielsweise so aus:

meinewebsite.de
meinewebsite.co.uk
meinewebsite.fr
meinewebsite.es

… und ist zweifellos die Methode der Wahl, wenn der verwendete Name auch je nach Sprache bzw. Land unterschiedlich sein soll/muss:

meinewebsite.de
mywebsite.co.uk
monsiteweb.fr
misitioweb.es

Alternativ könnt ihr aber auch für alle Varianten des Webangebots eine einzige gTLD verwenden und diese entweder über Verzeichnisse

meinewebsite.com/de/
meinewebsite.com/en/
meinewebsite.com/fr/
meinewebsite.com/es/

oder über Subdomains strukturieren:

de.meinewebsite.com
en.meinewebsite.com
fr.meinewebsite.com
es.meinewebsite.com

Aufmerksame Leser werden gemerkt haben, dass wir hier plötzlich von Ländern auf Sprachen umgeschwenkt haben: Statt der TLD „.co.uk“ ist hier plötzlich von „en“ die Rede. Womit auch schon eines der größten Strukturprobleme im Bereich der internationalen SEO deutlich wird – denn deutlich seltener als man meinen würde, sind Länder- und Sprachgrenzen deckungsgleich. An wen richtet sich denn die „en“-Website? An Kunden in Großbritannien (TLD „co.uk“)? Oder vielleicht in Kanada („.ca“)? Aber Moment mal, da spricht man doch auch Französisch – oder? Und wenn es hauptsächlich Kunden in den USA sind, wird es auch nicht einfacher, denn die ccTLD „.us“ für die USA ist erst sehr langsam auf dem Vormarsch, und es spricht vieles dafür, hier auf die gTLD „.com“ umzusteigen.

 

International SEO

Die ganze Welt im Griff? Internationale SEO braucht einiges an Struktur. | Foto: Unsplash

Ihr merkt schon: Über die Struktur des eigenen Angebots und die Frage, wie sich dieses online am besten abbilden lässt, kann man eine ganze Weile nachdenken – und sollte das auch unbedingt tun. Dass wir in den obigen Beispielen von Länder- auf Sprachkürzel umgestiegen sind, hat aber auch durchaus seinen Grund. Denn lässt man Sonderfälle wie den o.g. der verschiedenen Domainnamen mal außen vor, kann man als Faustregel festhalten:

Richten sich die unterschiedlichen Varianten einer Website bewusst an verschiedene Länder, bietet sich die Nutzung von ccTLDs an. Unterscheiden sie sich nur anhand ihrer Sprache, ist es meist sinnvoller, sie auf einer gTLD zu bündeln.

Google-Einordnung

Ein großer Vorteil an ccTLDs: Sie senden sehr klare Geolokalisierungs-Signale an Suchmaschinen. Google rankt sie bei einer Suche aus dem entsprechenden Land in der Regel höher als entsprechende gTLDs. Darin liegt aber auch gleichzeitig ein Nachteil, denn da Google die ccTLDs sehr klar den entsprechenden Ländern zuordnet, eignen sie sich weniger für länderübergreifende Sprachversionen (etwa für eine spanischsprachige Website, die sich sowohl an Kunden in Spanien auch an solche in Kolumbien, Peru und Mexiko richtet). In solchen Fällen sind gTLDs besser geeignet.

Vor- und Nachteil an ccTLDs: Sie senden sehr klare Geotargeting-Signale. #internationalSEO Klick um zu Tweeten

Ein weiterer Aspekt, der aber sicherlich nur für größere Unternehmen oder Projekte von Bedeutung sein wird: Verschiedene ccTLDs lassen sich bei unterschiedlichen Providern hosten und erhalten dadurch separate, länderspezifische IP-Adressen: Steht der Hosting-Server in Frankreich, ist dies für Google ein weiteres Signal dafür, dass die Seite für Frankreich interessant ist. Wohlgemerkt „ein weiteres Signal“ – dass es auch ohne geht, erklärt Matt Cutts in diesem Q&A-Video.

Linkjuice

Einen unschlagbaren Vorteil hat die Bündelung verschiedener Länder- und Sprachvarianten auf einer gemeinsamen Domain in Sachen Linkbuilding. Von Backlinks profitiert dann nämlich die gesamte Website und damit alle Sprachvarianten. Vorausgesetzt, die Versionen werden über Verzeichnisse und nicht über Subdomains strukturiert – Subdomains werden von Google nämlich als eigenständige Domains wahrgenommen. Wie massiv die Unterschiede in Sachen SEO-Performance im Einzelfall sein können, hat Eoghan Henn hier sehr anschaulich beschrieben.

 

URL-Struktur

Habt ihr euch für eine Bündelung aller Sprach- und Ländervarianten unter einer Domain entschieden, solltet ihr euch noch ausführlich über die URL-Struktur Gedanken machen. Aus den oben erläuterten Gründen wird nur in den seltensten Fällen etwas für eine Subdomain- und gegen eine Verzeichnis-Lösung sprechen.

Stellt sich aber die Frage: Wie sollen die Verzeichnisse aufgebaut werden? Denn wie wir oben schon gesehen haben, sind Länder und Sprachen nicht immer deckungsgleich. Was also, wenn ihr zum Beispiel mit eurer französischen Website sowohl Kunden in Frankreich als auch in Belgien und Luxemburg und der französischsprachigen Schweiz ansprechen möchtet?

Eine generische, also für alle Länder geltende Sprachversion könntet ihr einfach unter

meinewebsite.com/fr/

anbieten.

Sollen aber für die unterschiedlichen Märkte unterschiedliche Versionen bereitgehalten werden – beispielsweise weil ihr die Handtücher in eurem Sortiment für Frankreich „serviette de bain“, in Belgien aber richtigerweise „essuie de bain“ nennt – braucht ihr noch mehr Struktur. Dann bietet es sich an, für eine eindeutige Zuordnung auf die ISO-Kürzel zurückzugreifen und sowohl nach Sprache als auch nach Land zu differenzieren:

Unter

meinewebsite.com/fr-fr/

würde dann die für Frankreich gedachte, unter

meinewebsite.com/fr-be/

die für Belgien lokalisierte Version auftauchen.

Auch über diese Differenzierung hinaus sollte eure URL-Struktur übrigens die aktuell relevante Sprache widerspiegeln. Eine URL

meinewebsite.com/fr-fr/produkte/haushaltswaesche/handtuecher/serviette-de-bain-rouge-50×100/

ist sowohl aus Kunden- als auch aus SEO-Sicht deutlich weniger sinnvoll als die vollständig in der jeweiligen Sprache gehaltene URL

meinewebsite.com/fr-fr/produits/linge-de-maison/serviettes/serviette-de-bain-rouge-50×100/

 

Gut strukturiert ist halb gewonnen

Eine so durchdachte Struktur bietet schon mal die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche internationale SEO. Wie ihr Google über diese strukturellen Faktoren hinaus die länder- und sprachenspezifische Architektur eurer Website unmissverständlich klarmachen könnt, verrate ich euch im nächsten Teil der #internationalSEO-Serie.

Gut strukturiert ist halb gewonnen. #internationalSEO Klick um zu Tweeten

KF/ciq

Zu den übrigen Beiträgen der #internationalSEO-Serie:

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner

Textnerd, Teilzeit-Techie und Teejunkie. Sitzt an der Schnittstelle von Content und SEO und bringt komplexe digitale Themen in Fachartikeln, Workshops und Online-Kursen auf den Punkt. Bloggt seit 19 Jahren und schreibt heute hauptsächlich über Web, IT, eCommerce und digitale Bildung.
Dr. Katja Flinzner
2 Kommentare
  1. Avatar
    Julian B. sagte:

    Hallo Frau Dr. Flinzner,

    tolle Serie und eine große Hilfe, wenn man sich als Shopbetreiber jenseits der eigenen Grenzen erfolgreich bewegen möchte. Habe ein wenig zu dem Thema recherchiert und neben ihrer noch eine weitere gute und ausführliche Quelle zum Thema internationales SEO gefunden: Da stehen dann auch noch einige ergänzende Dinge zu Ihrem Artikel drin: https://www.seoagentur.de/seo-handbuch/internationales-seo.html.

    Viele Grüße
    Julian B.

    Antworten
  2. Avatar
    Dr. Katja Flinzner sagte:

    Hallo Julian B.,

    danke für das nette Feedback und den ergänzenden Link. Interessant finde ich dort vor allem die Ausführungen zur Tool-Landschaft. Die richtigen Tools für Keywordanalyse & Co. zu finden, ist tatsächlich eine herausfordernde Aufgabe, vor allem für kleinere Unternehmen.

    Herzliche Grüße
    Katja Flinzner

    Antworten

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