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Verpackung im Online-Lebensmittelhandel

Verpackt noch mal. Logistik im Online-Lebensmittelhandel

22. Juli 2016/von Dr. Katja Flinzner

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik hat sich vor kurzem den Online-Lebensmittelhandel vorgeknöpft. Anhand von Testbestellungen wurde die Logistikdienstleistung hinter der Online-Bestellung unter die Lupe genommen. Bewertet wurden neben Lieferservice, Pünktlichkeit und Qualität der Lebensmittel vor allem auch verpackungsrelevante Kriterien wie Material, Volumen und Entsorgung sowie – entscheidend für Kühlwaren – die Temperatureinhaltung.

 

Von Top bis Flop.

Das Ergebnis: Zwiegespalten. In Sachen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit waren die Resultate nahezu durchgängig positiv. Beim Thema Verpackung und Kühllogistik scheint aber noch Einiges zu tun zu bleiben: Das Verpackungsvolumen der Lieferungen war nahezu durchgängig unverhältnismäßig hoch – meist wurde deutlich mehr Luft verschickt als tatsächliche Produkte. Und – noch problematischer: Bei zwei Dritteln der Bestellungen lag die Temperatur der gelieferten Produkte zum Teil deutlich über den Temperaturvorgaben. Die vorgeschriebene Kühlkette wurde also nicht eingehalten. Dass kühlpflichtige und nicht kühlpflichtige Produkte dabei meist getrennt wurden, sorgte zwar für noch mehr Verpackungsmüll, reichte aber für eine ausreichende Kühlung offenbar nicht aus.

Verpackung im Online-Lebensmittelhandel

REWE setzt (u.a.) auf Papiertüten. Solange nicht gekühlt werden muss, reicht das auch völlig aus. | Foto: Mike Flinzner

 

Nichts Neues

Dass der Online-Handel mit Verpackungen häufig nur so um sich wirft, ist nichts Neues und nicht auf den Lebensmittelhandel beschränkt. Wer schon einmal bei Amazon einen Taschenrechner bestellt und diesen in einem 40×60-cm-Karton geliefert bekommen hat, weiß, wovon ich spreche. Für jede Bestellung eine adäquate Kartongröße herauszusuchen, ist offensichtlich zu teuer. Von der Aufteilung einer einzelnen Bestellung in vier separate Lieferungen in jeweils einzelnen Kartons mal ganz abgesehen, aber die lässt sich im Zweifel durch die Herkunft aus unterschiedlichen Logistiklagern zumindest noch erklären.

 

Dass diese Problematik bei Lebensmittellieferungen nicht unbedingt besser wird, zeigen die Erfahrungen von Amazon-Fresh-Kunden in den USA. Was nach einer kleinen Lebensmittel-Bestellung hier an Verpackung übrigbleibt, ist zum Teil haarsträubend – und sowohl für den Kunden als auch für die Umwelt auf Dauer inakzeptabel.

 

Kühl verpackt.

Dabei sorgt sich Amazon immerhin um eine angebrachte Kühlung frischer Produkte: In die wiederverwendbaren Liefertaschen werden bei Kühllieferungen Styropor-Einlagen gepackt. Wird die Lieferung nicht persönlich übergeben, sondern vor die Tür gestellt, werden zusätzlich gefrorene Wasserflaschen als „Kühlaggregate“ hineingelegt, teilweise auch Trockeneis. In den Isotaschen soll die Temperatur so immerhin zwei Stunden lang gehalten werden.

 

Da Amazon nun zum wiederholten Male angekündigt hat, Amazon Fresh auch in Deutschland ausrollen zu wollen, werden wir Qualität und Angemessenheit der Verpackung wohl bald selber beurteilen können.

 

Plastik oder Papier

Und wie sieht das in an deren Ländern aus? Frankreich beispielsweise hat ja bereits einen sehr aktiven eFood-Markt – dort sind vor allem die Drive-In-Märkte ein echtes Erfolgskonzept. Was den Kunden dort am Abholschalter in den Kofferraum gestellt wurde, war lange Zeit aus Kunststoff: Die Supermarktkette Super U nutzte Wegwerfplastiktüten, Konkurrent E.Leclerc wiederverwendbare Pfand-Taschen aus verstärktem Plastik. Die kamen jedoch meist verschmutzt zurück, was große Hygiene- und Reinigungsprobleme mit sich brachte. 2015 sind beide Ketten auf Einmal-Papiertaschen umgestiegen. Da war REWE ein bisschen schneller, der deutsche eFood-Vorreiter unter den Supermarktketten hat Lebensmittel-Bestellungen bereits 2014 in großformatigen, stabilen Papiertüten geliefert. Und auch die Kühlprodukte werden in Isoliertaschen aus Papier und Aluminium geliefert.

Für die französischen Drive-In-Märkte stellen sich übrigens noch ganz andere Verpackungsprobleme. In den großen Lagerhallen sind die Packer nämlich einen Großteil des Tages damit beschäftigt, zum Beispiel die für den stationären Handel konzipierten Blister-Verpackungen von Getränkeflaschen aufzureißen. Hersteller und Handel führen deshalb schon länger Gespräche über alternative Transport- und Zweitverpackungen für Drive-In-Ware. Sowohl manuelle als auch automatisierte Packstationen stellen nämlich ganz neue Ansprüche an die Verpackung und Gruppierung von Produkten.

Ob Amazon, REWE oder food.de, Drive-In oder Liederdienst – die Verpackungslogistik ist ein entscheidender Faktor im Online-Lebensmittelhandel und vielerorts von einer massentauglichen und zukunftsfähigen Lösung noch weit entfernt. Gerade für Deutschland gilt: Wenn der Markt zu einer ernstzunehmenden Größe im Lebensmittelhandel werden möchte, wird auch hieran noch einiges zu tun sein. Denn solange es keine wirklich durchdachten Lösungen etwa für die Einhaltung der Kühlkette gibt, werden Konsumenten sich kaum regelmäßige Bestellungen empfindlicher Kühlprodukte angewöhnen…

KF/ciq

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Textnerd, Teilzeit-Techie und Teejunkie. Sitzt an der Schnittstelle von Content und SEO und bringt komplexe digitale Themen in Fachartikeln, Workshops und Online-Kursen auf den Punkt. Bloggt seit über 20 Jahren und schreibt heute hauptsächlich über SEO, Content Marketing, Web und andere digitale Themen.
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