Lebensmittel via amazon: Schwacher Start

Seit sechs Wochen gibt es nun Lebensmittel bei amazon.de zu kaufen, die große Angst vor der Online-Konkurrenz ist bei den stationären Lebensmittelhändlern aber ausgeblieben. Zu gering ist das Interesse der Deutschen insgesamt am Lebensmitteleinkauf via Internet, und zu wenig überzeugend das amazon-Angebot. Bereits zwei Wochen nach dem Start hatten Verbraucherschützer den Lebensmittel-Verkauf des Online-Riesen kritisiert: die Produkte seien zu teuer, die Lieferzeiten zu lang, alles zu umständlich und intransparent.

Deutschland ist innerhalb Europas ein ungewöhnlich schwieriger Markt für das Geschäftsmodell Lebensmittel Online. Die Supermarktdichte ist so hoch wie in keinem anderen europäischen Land – einer der Hauptgründe für die geringe Akzeptanz dieses Online-Handelszweigs: auf gerade mal 0,1 % schätzen Experten den Online-Anteil am Lebensmittelumsatz.

Aber mal ganz ehrlich: wer möchte denn auch seinen Joghurt von DHL geliefert bekommen? Die Einbindung in die Logistik einer bestehenden Supermarkt-Kette beispielsweise mit kurzen Lieferzeiten bspw. aus dem nächstgelegenen Markt bietet da ganz andere Perspektiven, bei denen sich sicherlich noch der ein oder andere Online-Käufer finden lassen würden. Aber auch mit einem zentralen Lager lässt sich das Thema erfolgreich angehen, wie der britische Branchen-Marktführer Ocado beweist. Doch die Herausforderung ist groß, gerade in Deutschland, wahrscheinlich zu groß, um als bloßes Anhängsel an ein ansonsten einwandfrei funktionierendes Online-Handelskonzept zu funktionieren…

Mehr zum Online-Lebensmittelhandel bei unseren europäischen Nachbarn? Unseren ausführlichen Vergleich finden Sie in der eCommerce-Lounge.

Dr. Katja Flinzner

Textnerd, Teilzeit-Techie und Teejunkie. Sitzt an der Schnittstelle von Content und SEO und bringt komplexe digitale Themen in Fachartikeln, Workshops und Online-Kursen auf den Punkt. Bloggt seit 19 Jahren und schreibt heute hauptsächlich über Web, IT, eCommerce und digitale Bildung.
Dr. Katja Flinzner