Markt-Eroberer: Internationalisierung Schritt für Schritt à la Zalando

Zalando.de gehört zu den Durchstartern im Online-Handel. Seit dem Launch im Oktober 2008 hat der Schuh- und Modeversender sich schnell einen Platz in den oberen Rängen des deutschen eCommerce sichern können. Knappe zwei Jahre nach dem Start war Deutschland nicht mehr genug und man machte sich an die Internationalisierung. In Teil zwei unserer Artikel-Serie „Markt-Eroberer“ nehmen wir den Online-Versender aus Berlin und seine Internationalisierungsstrategie näher unter die Lupe.

Gründlich & Individuell

Zalando

Erster Schritt über die Ländergrenzen: zalando.nl

Das Erfolgsrezept von Zalando: kein oberflächlicher Rundumschlag wie ihn beispielsweise Macy’s vor einigen Wochen hingelegt hat, sondern eine gründliche, individuelle Internationalisierung Schritt für Schritt, d.h. Land für Land. So gibt es auch nicht einen internationalen Shop mit mehreren Sprachversionen, sondern einzelne, größtenteils unabhängige Shops unter eigenen Länderdomains.Im September 2010 ging zalando.nl für den niederländischen Markt an den Start, im Dezember folgte zalando.fr für unsere französischen Nachbarn. Und seit Frühjahr 2011 gibt es Zalando nun auch in Italien und in Großbritannien.

zalando.it

Farbanpassungen bei zalando.it

Mehr als Übersetzung
Internationalisierung heißt für Zalando in diesem Fall nicht nur Übersetzung. Natürlich stehen sämt
liche Texte und Produktbeschreibungen in der jeweiligen Landessprache zur Verfügung. Darüber hinaus unterscheidet sich aber auch das Design zumindest in Maßen je nach Ländervorlieben. Während die Deutschen es lieber gedeckt und seriös haben, lieben Franzosen und Italiener es eher bunt – das wurde beispielsweise in den Icons im Header der Seite berücksichtigt.

Vertrauensbildung

Zahlungsweisen

Zahlungweisen international

Auch wenn Zalando auf allen Shop-Varianten mit deutschem Sitz firmiert – im Inland erreichbare Hotline-Nummern und der Einsatz von national ansässigen Versanddienstleistern erhöhen den Vertrautheitsfaktor. Vor allem aber wurden die jeweils länderspezifischen Vorlieben z.B. in Sachen Zahlungsmittel berücksichtigt. So können die Franzosen neben PayPal und diversen Kreditkarten beispielsweise mit der weitverbreiteten CarteBleue ebenso zahlen wie mit ihrem geliebten Scheck, in den Niederlanden werden der Online-Banking-basierte Bezahldienst iDEAL ebenso angeboten wie acceptgiro, und die Italiener können ihre CartaSi oder die elektronische Geldbörse postepay einsetzen.

SEO & Social Media ohne Grenzen
Die Internationalisierung geht bei Zalando auch über den eigentlichen Shop hinaus. Seinen Erfolg hat der Mode- und Schuhversender zweifelsfrei seiner konsequenten SEO- und Kundenorientierung zu verdanken, die auch im internationalen Rahmen fortgeführt wird. Das in Berlin ansässige Team ist international besetzt und pflegt nicht nur Twitter-Accounts, Facebook-Fanpages und YouTube-Seiten in diversen Sprachen, sondern füllt auch regelmäßig die verschiedensprachigen Blogs mit mal mehr, mal weniger modespezifischen Inhalten.

In Sachen Kundenorientierung bietet Zalando einen Service, der jeden letzten Zweifel seitens des Kunden beseitigen dürfte: jede Bestellung – egal ob nach Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien, die Niederlande oder Großbritannien – wird nicht nur kostenfrei geliefert, sondern lässt sich auch kostenfrei zurücksenden. Dass hierfür ein Logistik-Background erforderlich ist, den sich nicht jeder Onlineversender leisten kann, liegt auf der Hand.

Die Expansion geht weiter
Ausruhen ist bei Zalando unterdessen offenbar nicht angesagt. Geplant ist derzeit ein weiterer Shop unter zalando.ch – aktuell werden mit einer reinen Inhaltsseite ohne Einkaufsoption schonmal Suchmaschineneinträge gesammelt. Bei der dreisprachigen Schweizer Kundschaft sicherlich eine ganz neue Herausforderung, aber mit der Ruhe und Gründlichkeit, die Zalando bisher in Sachen Internationalisierung an den Tag gelegt hat, wird sich auch diese bewältigen lassen.

Stiefkind Österreich
Einziger Kritikpunkt unserer Analyse: die österreichische Page scheint bei genauerem Hinsehen eine Art Attrappe zu sein. Spätestens nach dem zweiten Klick landet man unweigerlich auf einer zalando.de-Seite – womit auch die österreichische Hotline-Nummer auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Wie sind Ihre Internationalisierungserfahrungen?
Sie sind es gründlicher als Macy’s angegangen, haben aber nicht die Kapazitäten von Zalando zur Verfügung? In den meisten Fällen bewegt sich Internationalisierung im eCommerce irgendwo in der Mitte … Ob klein, ob groß – wir möchten Ihre persönlichen Internationalisierungserfahrungen gerne vorstellen! Sprechen Sie uns an und seien Sie dabei – bei den Markt-Eroberern!

KF/msh

Dr. Katja Flinzner

Textnerd, Teilzeit-Techie und Teejunkie. Sitzt an der Schnittstelle von Content und SEO und bringt komplexe digitale Themen in Fachartikeln, Workshops und Online-Kursen auf den Punkt. Bloggt seit 19 Jahren und schreibt heute hauptsächlich über Web, IT, eCommerce und digitale Bildung.
Dr. Katja Flinzner
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Trackbacks & Pingbacks

  1. […] von dem Mode-Riesen halten mag: in Sachen Internationalisierung kann man sich von Zalando durchaus einiges abgucken. Das zeigt nicht nur die Auszeichnung als bester Cross Border-Webshop beim e-Commerce Summit 2012 […]

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