Lost in Payment: Zahlungsweisen im spanischen eCommerce

KreditkartenStellen Sie sich vor, Sie möchten online einkaufen. Marktführer Amazon erlaubt Ihnen die Zahlung aber ausschließlich per Kredit- oder Debitkarte. Und andere Handels-Platzhirsche bieten Ihnen zwar noch die teure Lieferung per Nachnahme – allerdings nur bei Bestellungen bis 100 EUR – oder alternativ Überweisung – aber nur bei Bestellungen ab 100 EUR – an. Klingt nach Internet-Steinzeit? Ist aber Gegenwart und Realität. Willkommen in Spanien!

Wachstumsmarkt mit Lücken
Der spanische eCommerce-Markt ist der einzige aktuell wachsende Wirtschaftssektor des Landes und kann mit 20% durchaus respektable Wachstumsraten vorweisen, die deutlich über denen der gesättigteren Märkte Deutschland, Frankreich und Großbritannien liegt. Doch auch wenn sich in Sachen Logistik, Online-Marketing oder auch Hosting in den letzten Jahren auf der iberischen Halbinsel einiges getan hat – in Sachen Payment hinkt der Markt gewaltig hinterher. Der Markt lechzt nach Innovationen – die aber ohne entsprechende Investitionen nicht zu bekommen sind. Und niemand ist bereit oder in der Lage, in innovative Zahlverfahren zu investieren – zuallerletzt die Banken, deren Strukturen für solche Projekte schlicht nicht gemacht sind – und die in den letzten Jahren im Zweifel auch mit anderen Problemen zu kämpfen hatten.

Dass der Markt sich hiermit in einem Teufelskreis befindet, hat beispielsweise der Payment Service Provider Sage Pay erkannt. „Hier beißt sich die Katze in den Schwanz“, stellt z.B. Jorge Sorial von Sage Pay España fest. „Wir stehen vor einem Markt mit immer geringer werdenden Margen, Banken mit wenig flexiblen Technologien und Kunden, die der Meinung sind, dass den Transaktionskosten ein entsprechender Zusatznutzen gegenüberstehen muss, aber nicht den Service bekommen, der ihre Erwartungen erfüllt.“

Kreditkarten regieren den Markt
Und in der Tat – die Auswahl an Zahlungsweisen in spanischen Online-Shops ist begrenzt. Wer sich die eCommerce-Landschaft auf der Halbinsel anschaut, merkt schnell, dass Kredit-/Debitkartenzahlung die mit Abstand am weitesten verbreitete Zahlungsweise ist: nahezu 100% aller Shops bieten die Zahlung über verschiedene Kredit-/Debitkarten an. Daneben finden sich als Alternativen häufig auch Überweisung und/oder Nachnahme. Je agiler, sprich: jünger, kleiner, innovativer der Shop, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch PayPal unter den Zahlungsarten ist. Doch im Vergleich zu anderen europäischen Märkten ist PayPal auf der Halbinsel noch verhältnismäßig wenig verbreitet – 2010 zählte das Unternehmen ca. 3,5 Mio. aktive Nutzer in Spanien – und Online-Konkurrenten gibt es kaum. Vereinzelt bieten Shops Moneybookers, OKpay oder auch die Zahlung über das Logistik- und Zahlungs-StartUp BidoBido an – eine nennenswerte Verbreitung haben diese Angebote jedoch nicht.

Jetzt kaufen, später bezahlen
Auch wenn es nicht viel Auswahl an Zahlungsarten gibt – eines kann man in spanischen Online-Shops dafür recht problemlos: auf Raten kaufen. Die meisten Shops bieten auf Basis von Kreditkartenzahlung Finanzierungsmodelle über 3 oder mehr Monate an. Zweifellos ein verlockendes Modell für die krisengeschüttelte Bevölkerung…

Und was lassen sich aus diesen Erkenntnissen für Händler, die im spanischen Online-Markt Fuß fassen möchten, für Konsequenzen ziehen? Die zentrale Folgerung dürfte sein: ohne Kreditkarte geht gar nichts! Während man in Deutschland auch ohne Kreditkartenzahlung bspw. mit dem Anbieten der Lieferung gegen Rechnung noch einigermaßen über die Runden kommen mag, wird das Fehlen dieser Standard-Option den spanischen Käufer schwer irritieren. Da PayPal als einziges Online-Zahlungsmittel einigermaßen weit verbreitet ist, sollte auch diese Zahlungsoption im Mix nicht fehlen. Und nicht zuletzt und wie so oft: Vertrauen schaffen! Die hohe Anzahl an Shops, die Nachnahme anbieten, zeigt, dass der Markt durchaus noch viel von Misstrauen geprägt ist. Denjenigen, die zum Kauf ihre Kreditkartennummer zücken wollen, sollte dieser Schritt deshalb so einfach wie möglich gemacht werden, wozu in erster Linie ein vertrauenerweckendes Umfeld gehört.

Und wohl dem, der es schafft, in Spanien ein flächendeckend akzeptiertes Zahlungsmodell einzuführen – der dürfte noch einige Jahre lang mit hohen Wachstumsraten belohnt werden…

Quellen: TicPymes | PayPal

Dr. Katja Flinzner

Textnerd, Teilzeit-Techie und Teejunkie. Sitzt an der Schnittstelle von Content und SEO und bringt komplexe digitale Themen in Fachartikeln, Workshops und Online-Kursen auf den Punkt. Bloggt seit 19 Jahren und schreibt heute hauptsächlich über Web, IT, eCommerce und digitale Bildung.
Dr. Katja Flinzner
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